Spitzentanz, Heiterkeit, Stipendien und ein Preis

Spitzentanz, Heiterkeit, Stipendien und ein Preis


Die Soirée der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden


Die Tänzerinnen und Tänzer der Palucca Hochschule für Tanz in Variationen zu Händel und Brahms. Foto © Bettina Stöss.

Kurz vor Ende des Schul- und Studienjahres kommen alle auf die Bühne. Das muss sein. Und für die über 130 Schülerinnen, Schüler und Studierenden aller Jahrgänge wird nicht irgendeine Bühne in Dresden frei gemacht. Nein es ist, was Musik und Tanz angeht, „die“ Bühne überhaupt, nämlich die der Semperoper und die ist dann auch ausverkauft bis auf den letzten Platz.

Rektor Jason Beechey persönlich hat das Konzept für einen Programmbeitrag der dreiteiligen Soirée entwickelt, in dem alle tanzen: die Jüngsten und die Ältesten und sogar die Mitglieder des aktuellen Elevenprogrammes. Es tanzen nicht nur alle, es wird auch so gut wie alles getanzt. Zu den Variationen über ein Thema von Händel, op.24, von Johannes Brahms sind im bunten Mix viele Varianten der Tanzausbildung an der Palucca Hochschule zu erleben. Ob klassisch, neoklassisch oder zeitgenössisch, ob verspielt oder akrobatisch, niedlich oder elegant, solistisch oder in unterschiedlichen Gruppenkonstellationen, mehr als 130 Mitwirkende präsentieren, was 13 Dozentinnen und Dozenten jeweils mehr oder weniger geschickt und inspiriert choreografiert und organisiert haben. Da kommt nicht alles zusammen, aber alles kommt an, das Publikum jubelt, und das sollte wohl so sein, gute Stimmung im Saal und auf der Bühne.


Die Tänzerinnen und Tänzer der Palucca Hochschule für Tanz in „Serenade“ von George Balanchine. Foto © Bettina Stöss.

Der Abend beginnt mit einem neoklassischen Meisterwerk: „Serenade“ von George Balanchine, uraufgeführt mit Studierenden 1935 in Ney York, seitdem im Repertoire des New York City Ballet. Da leisten die Studierenden der Studienjahrgänge eins bis drei des Bachelorstudienganges mit den Mitgliedern des Elevenprogramms wahrhaft Erstaunliches zu Tschaikowskys Streicherserenade C-Dur, op. 48. Die Tänzer hat der neoklassische Meister etwas stiefmütterlich behandelt, dafür widmet er sich mit Hingabe wunderbaren musikalisch empfundenen Passagen für die Tänzerinnen im Corps de Ballet, für Halbsolistinnen und Solistinnen. Der Tanz hat Anmut und Leichtigkeit, die flinken Schrittfolgen kommen gekonnt, die Landungen sind sanft, die Musikalität der jungen Tänzerinnen ist bemerkenswert. Gelungener Auftakt für dieses Fest des Tanzes zum Abschluss einer Ausbildungsetappe und für einige Mitwirkende auch zum Abschluss ihres Studiums in Dresden.


Die jungen Tänzerinnen und Tänzer der Palucca Hochschule für Tanz in Jiří Kyliáns „Sechs Tänze“. Foto © Bettina Stöss.

Teil drei, das Finale − ein Dauerbrenner der choreografischen Erfolge des 20. Jahrhunderts. Mozarts „Sechs deutsche Tänze“, KV 571, die Choreografie von Jiří Kylián, 1986 für das Nederlands Dans Theater geschaffen. Mozarts deftige Briefe an das Bäsle könnten den Untertext geben für diesen kunstvollen Jux mit den Stars und Megastars, getanzt von Studierenden aus dem zweiten und dritten Jahr des Bachelorstudienganges. Jiří Kylián beherrscht die Kunst heiter zu sein ohne albern zu werden, die jungen Tänzerinnen und Tänzer auch, da kommt zusammen, was gut zusammen passt, und wenn sich der Übermut freie Bahn verschafft, dann gibt das diesem Superfinale noch den gewissen Kick.

Zu den sympathischen Rokokostars ohne Frischebegrenzung gehört auch Lester René Gonzáles Álvares aus Cuba. Er wurde zuvor mit dem Palucca-Stipendium ausgezeichnet, die Finanzhilfe erleichtert dem jungen Tänzer den Einstieg, der mit Beginn der neuen Saison dem Ballett des Theaters Rostock angehören wird. Das zweite Stipendium erhielt Hana Zuzana E. Goseling, Absolventin des Masterstudienganges Tanzpädagogik. Der DAAD-Preis ging in diesem Jahr an brasilianischen Tänzer Wagner Lucio Moreira, der an der Palucca Hochschule nach aktiver Tänzerlaufbahn den Masterstudiengang Choreografie absolviert. Bemerkenswert, die Musik an diesem Abend kam nicht vom Band, das Orchester der Technischen Universität Dresden musizierte unter der Leitung von Monika Buckland.

Autor: Boris Michael Gruhl

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